Abwarten und Tee trinken Ein Besuch im Teehaus am Rüdesheimer Platz
Ein heißer Tee erfrischt den Geist, sagt man in Japan, meint: Tee ist nicht einfach nur ein Getränk – nach Wasser übrigens das weltweit am meisten getrunkene. Mit Tee verbindet man Ruhe, Wärme, Genuss und ein Ritual, für das man sich Zeit nehmen sollte. Am besten schon beim Einkauf. Im Teehaus von Gabriele Gäbel stehen mehr als 200 Sorten.
Wohlig warm
"Im Winter wird deutlich mehr Tee getrunken, auch andere Sorten als im Sommer, aromatisiert mit Zimt, Kardamom, Pfeffer oder mit Ingwer, der heizt ordentlich ein. Wenn es draußen ungemütlich ist, darf Tee kräftig, würzig und aromatisch sein: Oma Friedels Apfelstrudel, Winterzauber oder Marzipantee passen gut zu winterlichen Süßigkeiten – sozusagen Apfel, Nuss und Mandelkern in der Tasse."
Mit einem Wölkchen Sahne
Anders als Kaffee beeinflusst Tee das gesamte zentrale Nervensystem, "macht fit, wach und frei und schafft wohlige Wärme, nicht nur physisch." Für die Tee-Fachfrau gehören deshalb zu einem gemütlichen Winternachmittag "Freundinnen, feines Gebäck, Dominosteine und mehrere Sorten Tee. Ceylon-Tee zum Beispiel, wie ihn die Briten gern trinken, oder ein malziger Assam, dem die Ostfriesen auf knisternde Kluntjes gießen, dazu ein Wölkchen Sahne, aber nicht umrühren!" Darjeeling aus den Teegärten Nordindiens ist der "Champagner unter den Tees", zart und elegant, hell in der Tasse.
Frucht mit Schoko und Nuss
Und wenn die ganze Familie zusammen sitzt? Dann muss es ohne Koffein sein, z.B. Knusperhäuschen und Winterfrüchtchen. Auch Winterschokolade, ein Rooibostee, der viel Mineralstoffe enthält, angereichert mit Kakao, Zimt und Kardamom. Oder grüner Tee mit Walnuss- und kandierten Ananasstückchen. Grüner Tee darf bekanntlich niemals kochend aufgegossen werden, dafür aber dreimal, allerdings hintereinander, nicht erst am nächsten Tag!
Kräuter für die Harmonie
Kräutertees leiden noch immer unter dem Beigeschmack 'bittere Medizin'. "Ganz falsch", sagt Gabriele Gäbel, "die sind weder bitter noch erinnern sie an olle, trockene Wiese, ganz im Gegenteil: Es gibt tolle aromatische Mischungen, auf der Basis von Tulsi, einem indischen Heilkraut, mit Zitronengras oder Mango, Ingwer oder Lavendelblüten. Bei Vanille Lemongrass ist sogar Kamille drin, der Inbegriff von Heiltee. Tulsi gilt als Königin unter den Kräutern."
Qual der Wahl
Über 200 Sorten Tee heißt Qual der Wahl – wo anfangen? Beispielsweise bei der Entscheidung für grün oder schwarz. "Grüner Tee ist wunderbar zum Frühstück, macht den Kopf fit und frei, ist gut gegen Falten und Verkalkung und hat viel Vitamin C." Ein wahrer Hochgenuss, der gesund und manchmal aufwendig produziert ist, deshalb hat er auch seinen Preis.
Kaiserliche Rarität
Der feine Jasmintee "Chung Hao" aus China, z.B. ist eine "kaiserliche Rarität, sehr kostbar, weil mehrfach frische Jasminblüten unter den Tee gemischt werden, die ihr Aroma abgeben. Wenn sie getrocknet sind, werden sie wieder entfernt. Das feine Aroma bleibt in den Teeblättern." Ein Hochgenuss schon für die Nase, denn bei Gabriele Gäbel muss man schnuppern, "in der Regel riecht ein Tee so, wie er schmeckt, die Nase 'trinkt' mit." Ein Genuss auch für's Auge sind weiße Erblühtees, von Hand zur Kugel gebunden, mit einer Blüte in der Mitte, sie sich im heißen Wasser entfaltet. Eine kunstvolle chinesische Rarität.
Von Keks bis Kandis
"Tee regt an und nicht auf und er braucht Raum, um sich zu entfalten. Das schlimmste, was man ihm antun kann, sind Tee-Eier." Die findet man im Teehaus auch nicht, dafür alle Utensilien für ein schönes Ritual, das mit einer heißen Tasse Tee und einem spannenden Buch auf dem Sofa seinen gemütlichen Abschluss findet. (Christiane Schwalbe)
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